Schneiderpuppe auf die eigenen Maße anpassen

von JaLiRa
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Hände hoch – wer von Euch hat eine Schneiderpuppe, die den eigenen Maßen entspricht? Also ich dachte doch tatsächlich, dass ich mit so einer einstellbaren Schneiderpuppe meinen Oberkörper irgendwie abbilden kann. Aber was soll ich sagen? Da war ich wohl ziemlich naiv, blauäugig und gutgläubig. Selbst nach stundenlangem Einstellen der Puppe, passt das hinten und vorne nicht. Ich bin offensichtlich nicht Standard, aber wer ist das schon?

Aber mein Entschluss auch für mich zu nähen stand fest. Und damit ich nicht selbst ständig Nähentwürfe an mir selber abstecken will, habe ich mir was einfallen lassen. Ich habe die existierende Puppe genommen und diese mit Polstermaterial … ähm hüstel … Klopapier aufgepolstert. Damit das Ganze nicht total daneben aussieht, habe ich noch einen Bezug genäht und jetzt bin ich stolze Besitzerin einer maßgetreuen Schneiderpuppe. Und ich zeige Dir wie ich das gemacht habe.

So sieht die fertig angpasste Schneiderpuppe aus.

Für deine maßgenaue Schneiderpuppe benötigst Du folgendes


Und so stellst Du deine Schneiderpuppe her

Schritt 1 – eigene Maße nehmen

Die Schneiderpuppe soll ja möglichst genau deinen Maßen entsprechen. Das heißt, du ziehst bitte deine Klamotten aus, bzw. Du behältst nur ein ganz dünnes Oberteil an. Vor allem Push-up BHs verfälschen die Maße erheblich. Mit dem Maßband misst Du möglichst genau

  • Schulterumfang
  • Brustumfang
  • Taille (die schmalste Stelle)
  • Hüftumfang (die stärkste Stelle)
  • Abstand Schulter – Brust
  • Abstand Brust – Taille
  • Abstand Taille – Hüfte

Bei der Gelegenheit habe ich auch ein kleines Experiment gewagt, und zwar „Kann ich mich selbst ausreichend genau vermessen oder brauche ich einen Partner dazu?“. Dazu habe erst ich selbst alle Maße genommen und aufgeschrieben und danach den Mann des Hauses gebeten. Der fand das Maßnehmen auch recht lustig und hatte so seinen Spaß. Und ich mache es kurz: Unsere Messergebnisse lagen teilweise einige Zentimeter auseinander … und ich war nicht diejenige die näher an der Realität lag. Also such Dir am Besten jemanden der dich beim Vermessen unterstützen kann.

Schritt 2 – Schneiderpuppe bestmöglich einstellen

Als erstes stellst Du die Puppe bestmöglich auf deine Körpermaße ein. Achte darauf, dass es an keiner Stelle über deine eigenen Maße hinausgeht. Aufpolstern geht, weniger machen nicht 😉 Solltest Du keine einstellbare Schneiderpuppe haben, so kannst Du gleich beim Anzeichnen weitermachen.

Zeichne dir die Maßkorrekturen auf die Schneiderpuppe

Zum Anzeichnen der notwendigen Aufpolsterungen zeichnest Du mit der Schneiderkreide Brust, Hüfte und Schulter mit den abgemessen Abständen an. Bei meiner Puppe oben sind das die waagerechten Striche. Anschließend misst Du den Umfang und schreibst dir die notwendige Aufpolsterung auf die Puppe. Bei meiner Puppe siehst Du, dass lediglich die Hüfte gepasst hat, ich aber an Taille, Brust und Schulter einige Zentimeter aufpolstern muss.

Wenn ich mir die Schneiderpuppe jetzt so anschaue, frage ich mich, wie ich damit hätte arbeiten können sollen. Die riiiiiiesen Schlitze sehen ja nicht nur bescheiden aus, sondern würden beim Abstecken von engen Oberteilen auch immer stören. Nee, das geht doch besser!

Schritt 3 – Schneiderpuppe an den richtigen Stellen aufpolstern

Ich mach’s kurz: Zum Aufpolstern habe ich Klopapier verwendet. Das gibt’s in jedem Haushalt, ist günstig und falls ich später mal was anstecken möchte, geht das auch. Ursprünglich dachte ich auch, dass ich Unmengen an Rollen brauchen würde um die fehlenden Zentimeter aufzubringen, aber da lag ich komplett falsch. Ich bin mit einer Rolle gut ausgekommen.

Polstere die Schneiderpuppe auf

Ich selber habe von unten nach oben in Runden die fehlenden Zentimeter aufgebracht. Du kannst es aber auch von oben machen, das ist letzten Ende vollkommen egal. Wichtig ist nur, dass Du zwischendrin immer wieder die erreichte Weite nachmisst. Meine Puppe hat am Ende breite Schultern, eine hohe Taille und davon auch wenig … aber was solls: So sehe ich nun mal aus. Mit Klebeband habe ich die einzelnen Lagen miteinander verbunden, so dass sie sich nicht verschieben.

Schritt 4 – Schnittmuster für den Bezug designen

Der Teil ist die eigentliche Designarbeit. Aus deinen Maßen von oben designst Du ein Schnittmuster für den Bezug. Klingt vielleicht kompliziert, ist es aber gar nicht. Ich empfehle dir für das Zeichnen des Schnittmusters Packpapier* zu verwenden. Das gibt es günstig auf der Rolle zu kaufen und es ist äußerst stabil, so dass es nicht gleich einreißt.

Als erstes schneidest Du dir ein Stück zu, was so lang ist wie deine Puppe + 4cm und so breit wie deine stärkste Stelle (Schulter, Brust oder Hüfte).

Zeichne das Schnittmuster für die Scheniderpuppe auf Packpapier.

Als nächstes zeichnest Du die waagerechte Linien ein, und zwar den Abstand von Hüfte zu Taille, von Taille zu Brust und von Brust zu Schultern. Anschließend faltest Du das Packpapier der Länge nach in der Mitte und klappst es wieder auf, so dass Du die waagerechten Linien siehst. Von der Mittenfalz aus misst Du zu beiden Seiten jeweils die Umfänge (Brustumfang, Taille, Schulter und Hüfte) ab. Dazu teilst Du den jeweiligen Umfang durch 4 und ziehst anschließend noch 2cm ab. Diese -2cm kommen daher, dass ich einen elastischen Stoff für den Bezug verwende und dieser später wirklich eng anliegen soll.

Beispiel: Du hast einen Brustumfang von 90cm gemessen. So rechnest Du 90cm/ 4 = 22,5cm. Davon ziehst Du 2cm ab, d. h. deine Breite von der Mittenfalz auf der Brustlinie ist zu beiden Seiten 20,5cm. Das machst Du auf allen waagerechten Linien.

Als letztes verbindest Du jetzt alle Breitenmarkierungen nach unten miteinander und zwar in weichen, geschwungenen Linien. Und warum geschwungene Verbindungen zwischen den Breitenmarkierungen? Naja, Du bist ja auch nicht eckig … nehme ich mal an. Das Schnittmuster schneidest Du mit einer Papierschere aus. Das sieht dann so ähnlich aus wie im nächsten Foto. Easy, oder?

Sie designst Du das Schnittmuster für die Schneiderpuppe

Schritt 5 – Stoff für den Bezug ausschneiden

Dein designtes Schnittmuster überträgst Du jetzt auf deinen Stoff. Dazu legst Du es entsprechend des Fadenlaufs auf den Stoff, fixierst es gegebenenfalls mit Stecknadeln und zeichnest die Konturen mit Schneiderkreide an. Anschließend schneidest Du den Stoff zweimal aus – ein Vorderteil und ein Rückenteil – beide sind identisch.

Übertrage das Schnittmuster deiner Schneiderpuppe auf den Stoff

Das Ausschneiden machst Du mit einer Stoffschere oder, wie ich, mit einem Rollschneider* auf einer Schneidematte*. So ein Rollschneider* ist echt eine praktische Sache. Das Schneiden geht viel, viel schneller und ist auch weniger friemlig als mit einer Stoffschere. Wenn Du häufiger nähst, ist der Rollschneider eine gute Anschaffung.

Schritt 6 – Vorder- und Rückenteil zusammenstecken und nähen

Deine zwei Stoffteile legst Du rechts auf rechts aufeinander, d. h. die unschönen Seiten schauen zu Dir und die schönen Seiten liegen innen. Die Seiten und oben fixierst Du mit Stoffklammern*. Klar, Stecknadeln würden auch gehen, aber die pieksen immer so und hinterlassen unschöne Löcher im Stoff. Da lobe ich mir meine Stoffklammern und möchte sie nicht mehr missen.

Stecke dir die beiden Stoffteile mit Stoffklammern zusammen.

Wenn Du die beiden Stoffteile fixiert hast, nähst Du die Seiten und den oberen Rand zusammen. Ich habe dafür den geschlossenen Overlockstich meiner Nähmaschine verwendet. Unten bleibt der Bezug offen.

Schritt 7 – Gummibund einnähen

Für einen schönen Abschluß des Bezuges, habe ich unten Gummiband eingenäht. Für die Länge des Bandes habe ich 80% des Hüftumfanges genommen und das Gummiband von Hand zusammengenäht. Wenn ich nochmal einen Bezug nähen würde, würde ich das Gummiband kürzer, ca. 70% vom Hüftumfang einnähen. Bei 80% erscheint es mir heute doch etwas zu locker.

Der Bezug der Scheniderpuppe bekommt unten ein Gummizug

Wenn Du die richtige Länge vom Gummiband hast und diesen an den Enden zusammengenäht hast, kannst Du es direkt am unteren Rand des Bezuges einlegen. Dazu schlägst Du den Bezug unten einmal um, legst das Gummiband ein und fixierst das Ganze mit den Stoffklammern. Achte darauf, dass der Stoff einige Millimeter mehr eingeschlagen ist, als das Gummiband breit ist. Wenn Du mit der Nähmaschine den Bund umnähst, darfst Du das Gummiband auf keinen Fall mit fest nähen.

Schritt 8 – Zieh die Schneiderpuppe an

So, jetzt ziehst Du den genähten Bezug über deine Puppe und fertig ist deine ganz persönliche Schneiderpuppe. Die passt jetzt optimal und ich kann meine Nähentwürfe direkt an der Puppe abstecken und beäugen. Und mal so rein optisch macht die Dame ja auch was her. Jedenfalls ist sie jetzt wesentlich ansehnlicher als mit den unschönen Schlitzen.

Schneiderpuppe auf eigene Maße angepasst

Wie gefällt Dir dein Torso so? Und was nähst Du als erstes? Ich habe mir vor Kurzem so nen tollen Viskosejersey und auch Viskose mit Seide gekauft. Mich kribbelts in den Fingern und die Nähmaschine funkelt mich auch schon so an ;-). Aaaaaaaaaaaaah, das wird eine tolle Freundschaft zwischen ihr und mir!

Schneiderpuppe, optimal auf meine Maße angepasst.

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