CoRinda – meine erste Seife mit Rindertalg

von JaLiRa
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Ich gebe zu, eine Seife mit tierischen Fetten herzustellen, kam mir anfänglich nicht in den Sinn. Aber je mehr ich über Seife sieden lerne und probiere, desto offener wurde ich dem Thema gegenüber. Denn ich fing ja mit dem Seife sieden an, weil das Gefühl auf der Haut so unbeschreiblich gut war, ich Plastikmüll reduzieren und ich wissen wollte, was in meinen Hautpflegeprodukten drin ist. Und zudem esse ich Fleisch, also warum nicht möglichst alles von den Tieren verwenden … ? Als festes Fett, anstatt der weitgereisten Kakaobutter oder Sheabutter, scheint Rinderfett eine naheliegende Zutat.

Als ich das für mich klar hatte, war das ursprünglich unangenehme Gefühl, tierische Fette zu verseifen, auch Geschichte. Und ich muss sagen, meine erste Seife mit Rindertalg ist echt super geworden! Es fühlt sich hervorragend an und nach 10 Wochen der Reifung ist die Schaumbildung auch schon ziemlich gut. Um an das Rindertalg zu kommen, habe ich bei meiner Lieblingsmetzgerei gefragt. Eigene Aufzucht und eigene Schlachtung, regionaler Verkauf – was will ich mehr? Ich bekam 2kg unausgelassenes Nierenfett geschenkt und machte mich an das Experiment. Und warum heißt die Seife nun CoRinda? Nun ja, sie entstand während des Corona Shutdown und die Metzgerin heißt Corinna …


Das sind die Zutaten für CoRinda

Ich habe ca. 1,17kg Seife in einer Blockform hergestellt. Damit du den richtigen Bedarf der Zutaten für deine Seife ausrechnen kannst, gebe ich alles in Prozent der Gesamtfettmenge an. In diesem Seifenrechner kannst Du andere Volumen bzw. andere Überfettungen einfach umrechnen.

Das sind die ZUtaten für eine Naturseife mit Rindertalg

Ich habe dir oben jeweils Produkte verlinkt, die in Glasflaschen statt Plastik geliefert werden. Alternativ kann ich dir auch diesen Shop *empfehlen. Dort bekommst Du viele Öle und Fette zu guten Preisen und auch in Bio-Qualität, aber leider ist nicht alles in Glasflaschen erhältlich.

Neben den Zutaten brauchst Du auch noch das übliche Seifesiedenequipment, d. h. Handschuhe, Schutzmaske, Sicherheitsbrille, Pürierstab, verschiedene Silikonbecher, Schaumbesen, Feinwaage*, Thermometer*, Seifenblockform* und Seifenschneider*. Da Schutzmasken derzeit ja noch immer schwer zu bekommen, sind gibt es hier im Blog auch eine Nähanleitung.


Und so kannst Du CoRinda selber herstellen

Schritt 1 – Rinderfett auslassen

Also, ich bekam ca. 2kg frisches Nierenfett geschenkt und habe dies selbst ausgelassen. Zuerst dachte ich, das wäre kompliziert. Ist es aber überhaupt nicht. Was du brauchst, ist ein bisschen Geduld und eine Möglichkeit, das Fett im Freien auszulassen. Geht drinnen auch, aber dann hast Du geruchlich länger was davon.

Aber fangen wir erstmal an. Zum Auslassen des Nierenfettes, schneidest Du es möglichst klein oder, falls Du einen Fleischwolf hast, drehst Du das da durch. Ich habe keinen und so habe ich es mir auf der Terrasse abends bei einem hopfigen Getränk gemütlich gemacht und kleine Stücke geschnitten. Die waren so ca. 1cm x 1cm groß.

Um das Nierenfett auszulassen, schneide es möglichst klein.

Anschließend habe ich die Stücke in einen großen Topf gegeben und auf einem Gaskocher* bei geringer Hitze und mehr oder minder ständigen Rühren das Fett erwärmt. Zum Anfang dauert es ein wenig, aber nach ein paar Minuten tritt dass das flüssige Fett aus und zurück bleiben so krustige Dinger, wie auf dem nächsten Bild zu sehen. Was ich damit machen könnte, weiß ich nicht und so habe ich sie entsorgt.

Sobald die Grieben kaim noch Fett auslassen, kannst Du aufhören mit dem Auslassen.

Das Auslassen habe ich in mehreren Runden gemacht. Der Topf wäre zu klein gewesen und auch hatte ich den Eindruck, dass mehr Nierenfett auf einmal im Topf, die Sache auch nicht vereinfacht hätte. Letzten Endes hatte ich aus den 2kg Nierenfett 800g ausgelassenes Rindertalg gewinnen können.

Das ausgelassene Fett habe ich durch ein Mulltuch gefiltert und in passende Gläser abgefüllt. Da ich aber nicht alles Rinderfett gleich brauchte, habe ich das übrig gebliebene in Eiswürfelformen mit einem elastischen Boden eingefroren (siehe nächstes Bild). Das hat den Vorteil, dass ich diese bei Bedarf einfach rausdrücken kann und ich weiß genau wie viele Stücke zu entnehmen sind. Ein Teil wiegt bei meiner Form* 14g.

Ausgelassenes Rinderfett ist ein sehr weißes, reines Fett.

Schritt 2 – die Seife sieden

Das Fett auslassen und abkühlen lassen, dauert eine ganze Weile. Falls Du also nicht einen ganzen Tag Zeit hast, planst Du das eigentliche Sieden besser am nächsten Tag ein.

Ich habe CoRinda im HTCP Verfahren (Heat Transfer Cold Process) hergestellt. Dazu habe ich das feste Rinderfett möglichst klein geschnitten und die gesiebte Lauge hinzugegeben. Die Hitze der Lauge schmilzt das Fett und anschließend können die flüssigen Öle hinzugegeben werden. Eine genauere Anleitung zum HTCP findet Du bei meiner DIY Anleitung Frühlingsseife. Den Seifenleim habe ich halbiert und den einen Teil mit schwarzer Aktivkohle (sparsam dosiert) gefärbt. Das Seifenparfümöl habe ich zum Schluss in beide Teile hinzugegeben und zügig in die Blockform gegossen.

Parfümöle dicken manchmal den Seifenleim an und das eigentlich sorgsam ausgeklügelte Muster der Seife lässt sich nicht mehr erreichen. So ging es mir bei dieser Seife auch … und das war auch der Grund, dass ich anfing das Andickverhalten der Parfümöle zu dokumentieren. Falls Du dir unsicher bist wie dein Parfümöl reagiert, schau mal rein.

Schritt 3 – die Seife härten und reifen lassen

Die Seife habe ich dann härten lassen. Leider war ich mal wieder ungeduldig und habe die Seife viel zu früh ausgeformt und mit dem Seifenschneider geschnitten. Die war noch ziemlich wenig fest und so sind Kanten gebrochen und der Schnitt sieht unsauber aus. Aber was solls. Das ist nur ein optisches Problem. Nach weiteren sechs Wochen Reifen lassen an der Luft, habe ich sie das erste Mal angewaschen. Man merkt jetzt schon dass das mal ein ganz feines Seifchen wird. Aber ich lasse sie bewusst noch etwas liegen.

Rindertalg macht Naturseifen hart, pflegend und ist regional verfügbar

Schritt 4 – verschenken, nutzen, freuen

Der Metzgerin habe ich zwei unterschiedliche Seifen aus ihrem Rindertalg geschenkt. Dazu habe ich zwei Säckchen genäht, nen Namenssschildchen rangefriemelt und fertig ist das Ganze. Sie hat sich unglaublich gefreut und ich hoffe, dass sie die Seife mag. Das war diese Woche Mittwoch … der letzte Mittwoch bevor auch hier in Ba-Wü wieder die Kitas öffnen und unsere Mini endlich wieder mit ihren Freunden spielen darf.

Mit der CoRinda Naturseife kannst Du dem Metzger oder der Metzgerin eien große Freude bereiten

Irgendwie ist das ein halbwegs versöhnlicher Corona-Abschluss. Ich hoffe, dass es wirklich bei den geringen Infektionszahlen bleibt und wir nicht noch einmal solch strenge Kontaktbeschränkungen inkl. bundesweiter Kita- und Schulschließungen bekommen.

In diesem Sinne: Bleibt bitte alle gesund!

CoRinda - eine pflegende Naturseife aus Rindertalg
4 Kommentare

4 Kommentare

Natalie 1. August 2020 - 16:17

Besteht vielleicht auch die Möglichkeit, diese Seife käuflich zu erwerben? Mit eigener Seifenherstellung habe ich noch so gar keine Erfahrung und mir fehlt auch gerade die Zeit dafür. In den USA gibt es Anbieter, die Seife aus Rindertalg herstellen, aber die verschicken gerade nicht nach Europa… Auf jeden Fall eine tolle Idee! 🙂

Antworten
JaLiRa 2. August 2020 - 20:00

Hallo Natalie,

vielen Dank für deine Anfrage. Leider ist es in Deutschland nicht möglich, ohne Lizenz entsprechend der Kosmetikverordnung und vom Amt abgenommener Seifenküche, Seifen zu verkaufen. Vielleicht wäre alternativ ein Seifenkurs interessant? Dort kannst Du erstmal das Seife sieden lernen und dann später selber loslegen?

Viele Grüße
JaLiRa

Antworten
Dschäin 10. Juli 2020 - 7:18

Das hört sich echt gut an, und wird sicherlich ausprobiert! Übrigens, die nach dem Auslassen übriggebliebenen Krustendinger heißen bei uns Grieben. Die kannste so schnorbseln, in Salat geben oder in ein selbstgemachtes Schmalz schütten… sogenanntes Griebenschmalz! Wenn’s wieder etwas frischer wird, werde ich mal eins machen und zur Verkostung an dich übersenden!

Antworten
JaLiRa 11. Juli 2020 - 11:58

Aaaaaah, Grieben. 🙂

Vielen Dank, liebe Dschäin – wieder was gelernt. Dein wissen über Wissen über Würste, Schmalz und drum rum, ist grandios! Beim nächsten Mal werden die auf alle Fälle weiter verarbeitet. Jetzt im Sommer drängelt sich dein Salatvorschlag förmlich auf.

Und Griebenschmalz kommt mir auch noch irgendwie bekannt vor … ich glaube meine Oma hatte das immer aufs frische Brot geschmiert.

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